ASHA Nepal und ihr neues Zentrum in Hetauda

Zwei Mädchen, die aus Indien gerettet wurden

Im Jahr 2017 wurde ich während einer Reise nach Nepal mit dem Thema Menschenhandel konfrontiert. Ich hatte mehrere Gespräche mit Nepali und internationalen Menschen; in jedem Gespräch kam das Thema Menschenhandel zur Sprache.

Ein Freund, der Menschen ausbildet, die mit Jugendlichen arbeiten, sagte, er sei alarmiert, weil es in vielen ländlichen Gebieten kaum noch Mädchen gebe. Die Eltern hätten sie an Zwischenhändler aus Indien verkauft. Diese versprachen den Töchtern ein besseres Leben und weil Töchter eher eine Last als ein Segen empfunden werden, werden sie verkauft. Ihr Ziel ist häufig leider die Rotlichtviertel der indischen Megastädte.

Nepal ist ein kleines, schönes Land in Asien. Es liegt eingebettet im Himalaya zwischen China und Indien. Seine Bevölkerung beträgt 30 Millionen Menschen. Davon leben etwa 40 % unterhalb der Armutsgrenze und 47 % der Bevölkerung sind arbeitslos. Damit gehört Nepal zu den zehn sozioökonomisch ärmsten Nationen der Welt. Die Nepalesen sind ein schönes, widerstandsfähiges Volk. Sie sind freundlich und gastfreundlich, aber in ihrer Gesellschaft ist ein Kastensystem verankert, das die Misshandlung und Ausgrenzung von Menschen aus niedrigeren Kasten rechtfertigt. Dies fördert die Armut und Ungerechtigkeit in ihrer Gesellschaft und verhindert, dass die Hilfe diejenigen erreicht, die sie am meisten brauchen.

MENSCHENHANDEL

Die Statistiken über den Menschenhandel in Nepal - das von Menschenschmugglern als "Quellenland" betrachtet wird - sind wirklich alarmierend. Mehr als zehntausend Frauen und Mädchen werden jedes Jahr von Nepal nach Indien verschleppt, und zwar über eine der meistbefahrenen Menschenhandelsrouten der Welt.

EINE SCHOCKIERENDE REALITÄT

Menschenhandel ist eines der größten Probleme für die menschliche Sicherheit in Nepal. Man geht davon aus, dass ein erheblicher Teil der 20.000 jungen Mädchen, die in Kathmandus Sexindustrie arbeiten, und der 300.000 nepalesischen Frauen, die im Nahen Osten arbeiten, Opfer von Menschenhandel geworden sind.

Die Verzweiflung der Frauen, die in armen ländlichen Gegenden leben, wird von skrupellosen Menschenhändlern ausgenutzt, die ihre Opfer mit falschen Versprechungen von gut bezahlten und würdigen Jobs in Kathmandu und im Ausland überlisten. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Ihrer Freiheit beraubt, werden die gehandelten Frauen gezwungen, für wenig oder gar keinen Lohn als Sexarbeiterinnen und Hilfsarbeiterinnen zu arbeiten. Berichte über körperliche und psychische Misshandlungen sind an der Tagesordnung. 

ASHA Nepal

Im Jahr 2018 konnte ich ASHA Nepal besuchen. ASHA bedeutet "Hoffnung". Diese Organisation hat ein Zentrum am Rande von Kathmandu, in dem etwa 50 Menschen leben. Alle diese Menschen haben auf die eine oder andere Weise sexuelle Ausbeutung und Gewalt erlebt. Ich erinnere mich, wie ich durch die hektische und chaotische Verkehrssituation in Kathmandu gefahren wurde. An einer Stelle bogen wir von der Hauptstraße nach rechts ab, um nach wenigen Metern wieder rechts abzubiegen. Innerhalb kurzer Zeit öffneten sich zwei Tore für uns, als wir in das Zentrum einfuhren.

Wir waren erstaunt, dass wir uns immer noch in der Nähe der Hauptstraße befanden und gleichzeitig eine unglaubliche Ruhe und Frieden erlebten. Die Leiterin von ASHA Bimila Thaila stellte sich uns vor und führte uns durch das Haus. Wir trafen junge Frauen und Familien, die alle Opfer der oben erwähnten Gewalt geworden waren.

Leider wird die Situation nicht besser. HOPE begann, ASHA in kleinerem Rahmen zu unterstützen. Wir begannen auch, Paten für Kinder zu suchen, die in der Obhut von ASHA waren. Wir sind sehr dankbar, dass wir einige gefunden haben, der Bedarf ist aber noch sehr groß.

ASHA begann zu expandieren und hat ein weiteres kleines Zentrum in Hetauda, einer Stadt etwa 100 km von Kathmandu entfernt. Sie haben dort ein Kinderheim und auch dieses wird ausgebaut. Ein Gebäude wurde begonnen, um vielleicht 30-40 Kinder unterzubringen. Der Träger ist aber leider durch die Corona-Krise in Konkurs gegangen. Das Gebäude steht zwar, ist aber im Moment nicht zu gebrauchen. HOPE versucht zu helfen, den Bau fertigzustellen. Inzwischen ist der Rohbau fast fertig. Dies ist für uns eine große Herausforderung, die wir aber mit Freude aufnehmen. Wir benötigen viele Menschen, die uns helfen die finanzielle Last zu tragen. Wir hoffen, dass die BILD-Zeitung mit ihrer "Herz für Kinder"-Initiative uns auf großzügiger Weise helfen wird.

 

Projekt Nr 8554